Tollwutimpfung

Das Risiko einer Tollwut-Erkrankung wird von Reisenden oft unterschätzt.

Tierbisse auf Reisen stellen aber ein ungleich konkreteres Risiko dar,  als andere Infektionserkrankungen.   Wir geben zu Bedenken, dass Tierbisse von fragwürdigen Tieren (Hunde, aber auch Katze, Affe und Fledermäuse) an ungeimpften Personen ein Grund zum sofortigen Abbruch der Reise sein können. Reisende können in kaum einem Land erwarten, prompt Immunglobulin oder moderne Impfstoffe gegen Tollwut zu erhalten.  Wir legen bei der reisemedizinischen Beratung großen Wert auf die Information Reisender bezüglich Tollwut-Risiko und Tollwut-Impfung. Tierbisse bei Reisenden sind häufig (ca. 1 zu 2000). Tollwutfälle insgesamt bei Reisenden sind aber selten (Grund dafür ist evtl . auch ein zunehmend guter  Impfschutz bei Reisenden). Wird jedoch nach fragwürdigen Tierkontakten zu lange gewartet, oder Impfung ist nicht möglich, und die Erreger erreichen das zentrale Nervensystem, dann ist die Erkrankung zu 100 Prozent tödlich.

Indikation

In  der Reisemedizin besteht Indikation zur Tollwut-Impfung bei Reisen in Länder mit hohem Tollwut-Aufkommen und einfachen medizinischen Standards. Da moderne Impfstoffe und auch das Immunglobulin (zur sog. postinfektionellen  Impfung) so gut wie nirgends rasch verfügbar sind, soll die Indikation zur Tollwut-Impfung großzügig gestellt werden.

In keinem Reiseland gibt es eine Impfpflicht. Die Zahl tödlich verlaufender Tollwut-Erkrankungen ist extrem hoch. Allein in Indien ist die Zahl der Tollwut-Toten pro Jahr sicher 5-stellig (hauptsächlich Kinder nach Hundebissen).

Deutschland gilt als tollwutfrei bis auf wenige Höhlen, die von Fledermäusen bevölkert sind. Indikation zu Impfung kann bestehen bei Forstarbeitern, Tierärzten, Laborpersonal. 

Einreisebestimmungen

In keinem Land ist eine Tollwut-Impfung vorgeschrieben.  Auch gibt es kaum Impf-Programme in Ländern mit hohem Tollwut-Aufkommen. 

Kontraindikationen

 Akute Erkrankung, insbesondere fieberhafte Erkrankungen. Unverträglichkeit bei

früheren Impfungen. Allergie gegen den Impfstoff oder Bestandteile des Impfstoffes

(Humanalbumin, Antibiotika).

Gegen die postexpositionelle Tollwut-Impfung bestehen keine Kontraindikationen.

Während Schwangerschaft und Stillzeit gelten  strenge Indikationsstellung und Risikoabwägung, da keine ausreichenden Daten vorliegen. 

Impfplan

Zur Grundimmunisierung am Tag 0-7-21, eine 4. Dosis nach einem Jahr.

Bei Reisen mit Tollwut-Risiko Wiederimpfung spätestens 5 Jahre nach der 1. Dosis.

Die Tollwut-Impfung gilt als zuverlässig. Impfschutz wird erworben ca. 2 Wochen nach der 2. Dosis.

Der Impfstoff ist ein Nichtlebend-Impfstoff. Abstände zu anderen Impfungen müssen nicht eingehalten werden.

Kinder können in jedem Alter geimpft werden.

Bei immungeschwächten Personen ist der Impferfolg fraglich (evtl. Titer-Bestimmung ).

Impfplan nach Bissverletztung

Nach vollständiger Grundimmunisierung nach tollwutverdächtiger Bissverletzung an den Tagen 0 + 3 jeweils eine weitere Impfdosis (keine Gabe von Immunglobulin). Nach unvollständiger Grundimmunisierung spezielles Vorgehen unter Einsatz vom Immunglobulin und Impfstoff (s. STIKO und WHO-Empfehlung). 

Unsere Empfehlung ist: lassen Sie sich rechtzeitig Tollwut impfen. Tierbisse sind häufig und eine Tollwut-Erkrankung ist tödlich.